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Oliver Reeds letzte Nacht

Oliver Reed war lange Zeit einer der begehrtesten und bestbezahltesten englischen Schauspieler. Trotz seiner ihm nachgesagten liebenswerten Persönlichkeit war er aber auch ein ruheloser Charakter, der einen langen Kampf gegen seinen Alkoholismus führte. (Mehr in seiner Biografie: Reed all about me, 1979)

 

Reeds (Trink-)Vorbilder fand er früh im Leben. Es waren Kampfpiloten, die er als Kind im Zweiten Weltkrieg kennenlernte. Viele dieser Piloten waren auch Liebhaber seiner Mutter, welche regelmäßig Partys organisierte. Seine Aufgabe war es, dort für die Gäste Cocktails zu mixen. Je mehr Partys gefeiert wurden, desto mehr sank auch die Zahl der teilnehmenden Piloten. Obwohl sie nie mehr heimkamen, vergaß Reed nie ihre sorglose Art und Weise – wie sie lachten, tranken und das Leben in vollen Zügen genossen, ohne sich Gedanken über eine bevorstehende Verwundung oder sogar den Tod zu machen.

 

Er wollte ebenso „tapfer“ wie seine Vorbilder leben und empfand die Schauspielerei als Betrug gegenüber denjenigen, die jeden Tag in ihrem Leben Schlachten schlugen oder hart arbeiteten mussten, um die Familie zu ernähren und den Lebensunterhalt zu verdienen.

 

In der Obituary Show von 1994 erdachten sich die eingeladenen Berühmtheiten, darunter auch Reed, ihren eigenen Nachruf (frei übersetzt): „Ich starb an einem Herzinfarkt mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Wir hatten einen Saufwettbewerb und ich war ausnahmsweise sehr zuversichtlich, dass ich ihn gewinnen würde. Jemand hat mir eine Wette angeboten, die so unanständig war, dass ich sie angenommen habe…“

 

Die morbide Show präsentierte Prominente, die in himmlischer Umgebung über ihr Leben diskutierten, als würden sie von anderswo darauf blicken. Obwohl Reed von sich selber sagte, er habe Angst, nicht tapfer zu sterben, hat er in dieser Show nur sehr wenig Reue und Bedauern zu seinem Leben gezeigt (frei übersetzt): „Ich bedauere, nicht mit jeder Frau geschlafen zu haben. Ich bedauere, nicht jeden Hund auf der Erde die Nase geküsst zu haben. Ich bedauere, nicht in jeder Bar der Welt gewesen zu sein. Ich war aber auch kein Mauerblümchen, wenn mich jemand auf die Nase geschlagen hat, dann habe ich zurückgeschlagen. Wenn mir aber jemand ein Bier ausgegeben hat, dann habe ich ihm auch einen Drink gekauft.“

 

In einer Bar im Jahr 1999, bei Dreharbeiten zu Ridley Scotts „Gladiator“ auf Malta, trank Oliver Reed in seiner letzten Nacht auf Erden über acht Pints Bier, zwölf Schnapsgläser Rum und eine halbe Flasche Whiskey . Er gewann Armdrücken gegen fünf Mitglieder der britischen Royal Navy und bestand darauf, alle Runden zu bezahlen. Stark berauscht brach er zusammen, und noch bevor ihn ein Krankenwagen erreichen konnte, verstarb er.

 

Seit diesem Tag ist dieser Pub ein Ort, an dem Filmfans und neugierige Trinker zusammenkommen, auch um ihren Respekt gegenüber ihrem Filmidol zu bezeugen. Trinksprüche zu Oliver Reeds Ehren erklangen schon an vielen Abenden und man kann sich gut vorstellen, wie er mit einem breiten Grinsen im Gesicht daneben sitzt und sein Glas hebt.                                   Tim

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