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Madeo (2009)

© MFA+, Ascot Elite Home Entertainment
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Obwohl der Film seine Premiere "nur" in der Sektion Un Certain Regard des Cannes-Festivals feierte, so kann man retrospektiv auch sagen, dass er sicherlich genauso gut im Hauptwettbewerb hätte laufen können. Im Jahr 2006 wurde The Host in Korea ein Publikumsliebling. Dieser Erfolg eröffnete damals dem Regisseur Bong Joon-Ho (Preisträger der goldenen Palme für Parasite im Jahr 2019) die Möglichkeit, weitere Ideen mit ausreichend finanziellen Mitteln umzusetzen. Neben Mother entstanden weitere Filme wie Okja oder Snowpiercer im Laufe der Jahre.

Mother (2009) on IMDb

Inhalt

Das Auskommen einer alleinerziehenden Mutter ist in einer Kleinstadt schwer zu erwirtschaften. Neben ihrem Kräutergeschäft bietet sie Akkupunktur ohne Lizenz nach Ende der Öffnungszeiten an. Irgendwie muss sie sich aber über Wasser halten, um ihren abgöttisch geliebten Sohn Do Jin ernähren zu können. Trotz seiner 27 Jahre und auch liebenswürdigen Art ist dieser infantil und geistig zurückgeblieben. Seine Mutter tut also alles für ihn, auch in dem Wissen, dass er ohne fremde Hilfe keine eigenständige Existenz aufbauen könnte. Oft gerät Do Jin in Schwierigkeiten, ohne es selbst zu merken. Sein guter Freund nutzt die Gutgläubigkeit und Begriffsstutzigkeit regelmäßig aus, indem er beispielsweise Sachbeschädigungen, welche er verursacht, seinem minderbemittelten Freund in die Schuhe schiebt. Eines Nachts wird ein Schulmädchen ermordet. Die Polizei verhaftet, mit dürftigen Indizien und fehlenden Beweisen, Do Jin als mutmaßlichen Mörder. Ohne ihren Sohn und Lebensinhalt ist die Mutter am Boden zerstört. Sie setzt alles in Bewegung und ermittelt auf sich allein gestellt, um die Unschuld ihres Sohnes zu beweisen, damit die beiden wieder zusammen sein können...


Fazit

Das Bild um die Protagonistin des Films - und damit auch das Motiv Mutterschaft - bietet intensive Einblicke in ein Geschehen rund um ein spannendes Mordereignis. Der Film fasziniert durch seine Charaktere ebenso wie durch seine Aufnahmen. In Bong Jong-Hos Filmen vollzieht sich immer eine außergewöhnliche Ästhetik, die anziehend ist, aber dann durch das Verhalten der Figuren gleichzeitig abschreckend wirkt. Der Zuschauer sieht eine mittellose verzweifelte Mutter, welche ihre einzige Waffe (ihre auf andere wirkende Unschuld) einsetzen muss, um ihren Sohn aus den Fängen der Justiz zu befreien, die anscheinend den Mordfall so schnell wie möglich und mit allen Mitteln gelöst haben möchte. In diesem Punkt erinnert der Film an die 2015 gestartete Doku-Serie Making a Muderer. Do Jin strahlt die Art eines für immer 8-jährig gebliebenen Kindes aus: hilfsbedürftig und völlig verständnislos gegenüber seiner eigenen hoffnungslosen und düsteren Situation. Von Kritikern wurde der Film oft mit den Werken Alfred Hitchcocks verglichen. Auch Ähnlichkeiten zum Werk David Lynchs lassen sich nicht von der Hand weisen. Den Zuschauer erwarten hier sehr gute Schauspieler, Handlung und Kamera sowie ein dunkler Trip in Abgründe der Psyche und Gesellschaft. die Musik ist sehr sparsam eingesetzt, wodurch der Film fast dokumentarisch wirkt und so in seinen Bann ziehen kann. Die deutsche Synchronisierung ist sehr gut, im Original "muss" der Film also nicht unbedingt angeschaut werden.

Eine Helicoptermutter, die einen von 10 Terminen ihres Zöglings verpasst                                                                                        Tim


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