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I'm Still Here (2010)

© Koch Media
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Der (Stand 2019) dreifach oscarnominierte Charakterdarsteller Joaquin Phoenix hat einige Seitenhiebe des Schicksals in seinem Leben einstecken müssen. Seine Eltern immigrierten mit ihm und seinen drei Geschwistern nach Südamerika. Dort missionierten die Eltern für die "Children of God"-Kirche und die Familie lebte unter ärmsten Bedinungen in Slums. Laut Berichten gab es innerhalb der Sekte auch Missbrauch an minderjährigen Mitgliedern. Desillusioniert vom Aufenthalt in der Religionsgemeinschaft und in Lateinamerika, schmuggelte sich die Familie Bottom in einem Schiff wieder nach Amerika. Dort änderten sie symbolträchtig ihren Namen in Phoenix. Im neuen Wohnort Los Angeles waren die Umstände auch nicht besser, bis ein Schauspielagent das Talent der Zöglinge entdeckte, die allesamt Fuß im Schauspielgeschäft fassen konnten. Besonders begabt galt Bruder River, der neben der Schauspielerei auch Musiker war. Im Jahr 1993 brach River in den Armen Joaquins zusammen und verstarb wenig später an einer Überdosis durch einen Drogencocktail. Der Notruf, den Joaquin absetzte, wurde aufgezeichnet und monatelang in den amerikanischen Medien abgespielt. Der mit einer Hasenscharte (Lippen-Kiefer-Gaumenspalte) geborene Joaquin Phoenix gilt heute, trotz vieler Tragödien und Rückschläge in seinem Leben, als einer der besten Schauspieler der Welt.

 

Bis 2008 hatte er sich nicht unterkriegen lassen und sich zwischen vielen anderen Schauspielern behauptet - doch dann kündigte er an, in Frührente gehen zu wollen. Sein letzter öffentlicher Auftritt zu dieser Zeit war bei Entertainer und Moderator David Letterman. Während des Interviews wirkte Phoenix völlig ausgebrannt. Er antwortete einsilbig auf die Fragen Lettermans und man konnte ihm ansehen, wie unwohl er sich dabei fühlte, obwohl von seinem Gesicht dank großer schwarzer Sonnenbrille und Vollbart nicht viel zu erkennen war. Letterman beschwerte sich u.a. darüber, dass er auch nicht zu ihm kommen und Kaugummi kauen würde, wenn er in Phoenix' Sendung eingeladen wäre. Daraufhin entschuldigte sich Joaquin Phoenix und klebte seinen Kaugummi unter Lettermans Schreibtisch.

 

In der Zeit danach folgten viele Meldungen über Phoenix, der immer mehr seinen Verstand zu verlieren schien.

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Inhalt

Die Eskapaden der Berühmtheit wurden über einen langen Zeitraum filmisch begleitet und dann in einer Dokumentation veröffentlicht, welche bei den Filmfestspielen von Venedig den Biografilm Lancia Award erhielt.

 

Joaquin Phoenix als Schauspieler sowie auch sein oscarprämierter Schwager Casey Affleck als Regisseur haben tatsächlich aber - neutral formuliert - zwei Jahre lang den Medien in den USA erfolgreich etwas vorgespielt. Es handelt sich um eine Mockumentary bei der Phoenix sein altes Leben hinter sich lässt um als Rapper in der Hiphopszene Fuß zu fassen.

Fazit

Im September 2010 wurde Phoenix wieder in die Late Night Show Lettermans eingeladen. Er entschuldigte sich für sein Benehmen beim letzten Besuch und erklärte, dass das Ziel der Mockumentary gewesen sei, das Berühmtsein und dessen Beziehung zu Medien und Medienkonsumenten zu erforschen. Auf die Idee kam Phoenix, als er darüber erstaunt war, wie viele Rezipienten von Reality Shows tatsächlich glaubten, das Gesehene sei nicht inszeniert. Er dachte sich, wenn das schon bei Amateurschauspielern funktioniert, dann muss es bei ihm selbst noch besser klappen. Affleck und Phoenix waren sich darüber bewusst, dass sie mit ihrer Unternehmung ihre Karrieren gefährden oder sogar beenden konnten, entschlossen sich aber, das Risiko einzugehen. Einen Hinweis gab von Beginn an ihre Produktionsfirma mit dem Namen They Are Going to Kill Us Productions.

 

Phoenix spielt in diesem Film seine Rolle in aller Öffentlichkeit über fast zwei Jahre. Einige Kritiker sagten, dass dies einer seiner größten und anhaltendsten Darbietungen sei. In der Populärkultur hielt seine Performance bei der Oscarverleihung Einzug, als Ben Stiller ihn bei seiner Moderation für die beste Kamera persiflierte.

 

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                                                                                                                                                                                                                           Tim


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