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Der Rausch (2020)

Szenenfoto DER RAUSCH: Mads Mikkelsen (© Foto Henrik Ohsten © 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films B.V. & Zentropa Netherlands B.V.)
Szenenfoto DER RAUSCH: Mads Mikkelsen (© Foto Henrik Ohsten © 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films B.V. & Zentropa Netherlands B.V.)

 

 

Thomas Vinterbergs Film "Der Rausch" konnte nicht nur im Jahr 2020 mit dem europäischen Filmpreis als bester Film ausgezeichnet werden, sondern erhielt 2021 ebenfalls den Oscar für den besten fremdsprachigen Film und wurde zudem mit einer Nominierung für die beste Regie bedacht.

 

Es ist nach "Die Jagd" bereits die 2. Produktion, in der er Mads Mikkelsen die Hauptrolle anvertraut und nach dem internationalen Erfolg des Filmes ist dies auch kein Zufall. Die beiden werden in der Presse bereits als "Dänisches Dream-Team" bezeichnet.

 Der Rausch (2020) on IMDb


Inhalt

4 Lehrer mittleren Alters sind unzufrieden mit ihrem Beruf, ihren Beziehungen, ihrem kompletten Leben. Kurzum: sie sind in der "Midlife-Crisis" angekommen.

Bei einem gemeinsamen Restaurantbesuch anlässlich eines Geburtstages tritt die Aussage eines norwegischen Philosophen in den Mittelpunkt, laut dem die Menschheit leider mit 0,5 Promille zu wenig Blutalkohol geboren wird. Von dieser These beflügelt, entschließen die 4 Freunde sich nun, einen, als wissenschaftlichen Selbstversuch getarnten, Test durchzuführen, bei dem sie in der kommenden Zeit versuchen, stets einen Wert von 0,5 Promille zu halten.

Szenenfoto DER RAUSCH: Thomas Bo Larsen, Lars Ranthe, Mads Mikkelsen, Magnus Millang (© Foto: Henrik Ohsten © 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films B.V. & Zentropa Netherlands B.V.)
Szenenfoto DER RAUSCH: Thomas Bo Larsen, Lars Ranthe, Mads Mikkelsen, Magnus Millang (© Foto: Henrik Ohsten © 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films B.V. & Zentropa Netherlands B.V.)

Einordnung

Die spannende Prämisse hatte mich bereits im ersten Trailer gepackt und die Tatsache, dass es sich um eine Nordeuropäische Produktion handelt, vermittelt zudem auch den Eindruck, dass sich dem Thema mit einer gewissen Seriosität genähert und dem Zuschauer hier keine Suff-Komödie nach dem Vorbild von Hangover oder Old School geboten wird.

Dieses Versprechen sollte der Film auch mehr als nur einhalten.

 

Er beginnt mit einer Eröffnungssequenz, in der ein Studentenritual bzw. Event gezeigt wird, bei dem (kurz zusammengefasst) möglichst viel Bier in möglichst kurzer Zeit getrunken werden muss und dem ein Pseudo-Wettkampf vorangestellt wird, um dieser Veranstaltung einen gewissen Rahmen zu bieten. Den Zustand, auf den Vinterberg anspielen will, wird also direkt in der Eröffnungsszene deutlich: Der (zu) lockere Umgang der Gesellschaft mit Alkohol.

Mit dem Selbstexperiment der Freunde wird diese Ansicht dann noch einmal deutlicher. Keine gewissenhafte Abschätzung der Risiken, keine möglichen Probleme. Nein, sogar aus einer "Schnapasidee" heraus wird der Versuch einstimmig abgenickt. Die zunächst eintretenden, gewünschten Resultate lassen sogar zu, dass eine Verschärfung des Experimentes stattfindet und es damit allmählig außer Kontrolle gerät.

 

Vinterberg zeigt die verschiedenen Blickwinkel auf den Alkohol, kritisiert aber auch direkt den gesellschaftlichen Umgang mit ihm. Zu locker, zu unbewusst, vielmals nur das positive sehend. So lässt er seine Protagonisten zunächst aus sich herauswachsen, nur um sie mit einem großen Knall auf den Boden der Tatsachen zurückzubeordern. Es wird keine lange Geschichte über Alkoholismus erzählt, vielmehr der schnelle Hype und die rasante Talfahrt. Ein extremer, ungeschönter, aber auch übertriebener Blick.

Der Alkohol wirkt als Katalysator für die Rückkehr in das unbeschwerte Leben, welches bei den Hauptfiguren seit der Jugend immer mehr in den Hintergrund getreten ist, ist jedoch am Ende auch der Grund daraus resultierender Probleme.

 

Erwähnenswert sind immer wieder die kurzen Anekdoten über Hemingway und Churchill, die den Eindruck erwecken sollen, dass Männer trotz übermäßigen Alkoholkonsums durchaus sehr erfolgreich sein können. Es wirkt teilweise sogar eher als Befeuerung des Argumentes, doch ruhig mit einem gewissen "Level" zu leben und zu arbeiten.

 


Fazit

"Der Rausch" schafft es, sich zwischen den Reihen zu bewegen. Man erkennt zwar die Intention des Regisseurs, den lockeren Umgang mit dem Alkohol zu kritisieren, hat aber nie das Gefühl, diese Ansicht mit dem Holzhammer eingetrichtert zu bekommen. Vielmehr bietet Vinterberg dem Zuschauer immer wieder die glänzende Seite der Medaille an und zeigt ihm die positiven Seiten des Alkoholgenusses. Ähnlich einem Lockmittel wird damit der Person vor dem Bildschirm das gleiche Gefühl vermittelt, wie den Protagonisten. Gleich dem Gefühlsleben der handelnden Figuren bietet der Film einen hervorragenden Mix aus komischen Momenten und tieftraurigen Schicksalsschlägen.

 

Wie soll man den Film aber nun am besten beschreiben? Ein mahnender Lobgesang? Ein Griff zum Glas mit warnenden Zeigefinger? Jeder Zuschauer muss sich wohl selbst ein Bild davon machen, ob er vielmehr die positiven oder die negativen Aspekte mitnimmt. Beide werden ihm eindrucksvoll angeboten. Eins ist aber auf jeden Fall klar geworden: Ein Blick auf den gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol.

 

4 von 5 Guten-Morgen-Rotweingläsern

Tino


Die Blu-ray zu "Der Rausch" wurde uns als Presseausgabe von Weltkino zur Verfügung gestellt und ist auf DVD und Blu-ray erhältlich.

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